Scherbenseele e.V.

Hilfe nach schwerem Trauma

Info zu DIS – Dissoziative Störungen

Die verschiedenen Formen dissoziativer Störungen

Dissoziative Amnesie (F44.0)

Der Verlust der Erinnerung für meist wichtige aktuelle Ereignisse, die nicht durch eine organische psychische Störung bedingt ist, gilt bei der dissoziativen Amnesie als wichtigstes Kennzeichen.

Auch eine übliche Vergesslichkeit oder Ermüdung als Erklärung reicht hier nicht aus.

Die Amnesie bezieht sich meist auf traumatische Ereignisse wie Unfälle oder unerwartete Trauerfälle und ist in der Regel unvollständig und selektiv.

Selten kommt es zu einer vollständigen und generalisierten Amnesie. In solchen Fällen sind gewöhnlich Symptome einer Fugue (F44.1) zu beobachten. beobachten.

Der dissoziativen Amnesie ähnliche Symptome können aber auch bei hirnorganischen Störungen, nach Intoxikationen oder extremer Erschöpfung auftreten.

Dissoziative Fugue ( F44.1 )

Eine dissoziative Fugue ist eine zielgerichtete Ortsveränderung, die über die gewöhnliche Alltagsmobilität hinausgeht. Sie zeigt alle Kennzeichen einer dissoziativen Amnesie (F44.0).Für die Zeit der Fugue besteht eine Amnesie aber das Verhalten des Betroffenen wirkt während dieser Zeit auf unabhängige Beobachter oft vollständig normal .

Vorherrschende Störungsbild ist ein plötzliches, unerwartetes Weggehen von zu Hause oder vom gewohnten Arbeitsplatz, verbunden mit der Unfähigkeit, sich an die Vergangenheit zu erinnern.

Den Betroffenen ist die eigene Identität oft unklar oder sie nehmen eine teilweise oder vollständige neue Identität an.

Dissoziativer Stupor ( F44.2 )

Es besteht eine beträchtlichen Verringerung oder es fehlen willkürliche Bewegungen und normalen Reaktionen auf äußere Reize wie Licht, Geräusche oder Berührung .

Befragung und Untersuchung lassen keinen Anhalt für eine körperliche Ursache erkennen. Kurz vorhergegangene belastende Ereignisse oder Probleme geben zusätzliche Hinweise auf die psychogene Verursachung.

Trance- und Besessenheitszustände ( F44.3 )

Es tritt ein zeitweiliger Verlust der persönlichen Identität und der vollständigen Wahrnehmung der Umgebung auf. Es werden nur Trancezustände klassifiziert,

die unfreiwillig oder ungewollt sind, und die außerhalb von religiösen oder kulturell akzeptierten Situationen auftreten.

Dissoziative Bewegungsstörungen ( F44.4 )

Die häufigsten Formen zeigen den vollständigen oder teilweisen Verlust der Bewegungsfähig-keit eines oder mehrerer Körperglieder. Es besteht große Ähnlichkeit mit fast jeder Form von Ataxie , Akinesie, Aphonie, Dysarthrie, Dyskinesie, Apraxie , Anfällen oder Lähmungen.

Dissoziative Krampfanfälle ( F44.5 )

Dissoziative Krampfanfälle ähneln epileptischen Anfällen bezüglich ihrer Bewegungen sehr stark .Selten sind jedoch Zungenbiß, Verletzungen beim Sturz oder Urininkontinenz . Bewusstseinsverlust fehlt oder es findet sich statt dessen ein stupor- oder tranceähnlicher Zustand

Dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen ( F44.6 )

Oft entsprechen die Grenzen anästhetischer Hautareale eher den Vorstellungen des Patienten über Körperfunktionen als medizinischen Tatsachen. Unterschiedliche Ausfälle der sensorischen Modalitäten kommen oft vor , die nicht Folge einer neurologischen Läsion sein können. Sensorische Ausfälle können von Klagen über Parästhesien begleitet sein. Bei dissoziativen Störungen sind vollständige Seh- oder Hörverluste selten.

Sontige dissoziative Störungen (F44.8)

 

Depersonalisations- und Derealisationssyndrom ( F48.1 )

Der Betroffene beklagt, das seine geistige Aktivität, sein Körper oder die Umgebung sich in ihrer Qualität verändert haben, und unwirklich, wie in weiter Ferne oder automatisiert erlebt werden.

Am häufigsten klagen die Betroffenen über den Verlust von Emotionen, über Entfremdung und Loslösung vom eigenen Denken, vom Körper oder von der umgebenden realen Welt.

Der Betroffene ist sich trotz dieser extremen Erfahrungen aber bewusst daß diese Veränderungen unwirklich sind.

Die Möglichkeiten des emotionalen Ausdrucks sind intakt und das Sensorium ist normal,

Depersonalisations- und Derealisationsphänomene treten im Rahmen einer schizophrenen, depressiven, phobischen oder Zwangsstörung auf.

Bei der Depersonalisationsstörung kommt es zu andauernden oder wiederkehrende Erfahrungen, sich von den eigenen geistigen Prozessen oder vom eigenen Körper losgelöst oder sich wie ein außenstehender Beobachter der eigenen geistigen Prozesse oder des eigenen Körpers zu fühlen (z. B. sich fühlen, als sei man in einem Traum). Während der Depersonalisationserfahrung bleibt die Realitätsprüfung intakt.

Dissoziative Identitätsstörung (F 44,81)

Die Störung wird in der Regel auf schwere Traumatisierungen (schweren körperlichen und/oder sexuellen Missbrauch) in der Kindheit zurückge -führt.

Hauptmerkmal ist das Vorhandensein von zwei oder mehr unterscheidbaren Persönlichkeitszuständen oder Identitäten jeweils mit einem eigenen, relativ überdauernden Muster der Wahrnehmung , der Beziehung und dem Denken über die Umgebung und das Selbst). (Kriterium A).

· Diese Persönlichkeitszustände oder Identitäten übernehmen wiederholt die Kontrolle über das Verhalten der Person (Kriterium B).

· Es besteht eine Unfähigkeit, sich an wichtige persönliche Informationen zu erinnern; diese ist zu umfassend, als das man sie durch gewöhnliche Vergesslichkeit erklären könnte (Kriterium C).

· Die Störung geht nicht auf die direkte körperliche Wirkung einer Substanz oder eines medizinischen Krankheitsfaktors zurück (Kriterium D).

· Bei Kindern sind die Symptome nicht durch imaginierte Spielkameraden oder andere Phantasiespiele erklärbar.

Jeder der jeweiligen Persönlichkeitszustände kann eine unterschiedliche persönliche Geschichte, ein unterschiedliches Selbstbild und eine unterscheidbare Identität mit verschiedenen Namen haben.

Es existiert gewöhnlich eine primäre Identität, die den Namen der Person trägt. Diese ist in der Regel passiv abhängig, hat Schuldgefühle und ist depressiv.

Die wechselnden Identitäten haben oft verschiedene Namen und auch verschiedene Charaktereigenschaften, die im Gegensatz zur primären Identität stehen . – Sie sind z.B. selbstzerstörerisch , feindselig, kontrollierend u.s.w…

Unter bestimmten Umständen tauchen einzelne Identitäten auf welche sich im Alter, Sprache, Geschlecht, Allgemeinwissen oder dem vorherrschenden Affekt unterscheiden.

Die wechselnde Identitäten werden dabei oft so erlebt, das sie die Kontrolle übernehmen; das Wissen über die Anderen leugnen können, den Anderen gegenüber sehr kritisch sein können oder sogar im offenen Konflikt mit den Anderen stehen. Es kommt auch vor das eine oder auch mehrere mächtige Identitäten den Anderen die Zeit zuteilen

Aggressive oder feindselige Identitäten können zeitweise Aktivitäten der Anderen unterbrechen oder sie in unangenehme Situationen bringen.

Von DIS Betroffene haben häufig Lücken in der Erinnerung der persönlichen Geschichte, sowohl für frühere wie aktuellere Ereignisse bei ungleichmäßiger Amnesie . Es kann nicht nur zu einem Gedächtnisverlust für immer wiederkehrende Zeitabschnitte kommen, sondern auch zu einem gesamten Verlust der biographischen Erinnerung an einen umfassenden Zeitraum in der Kindheit.

Passivere Identitäten haben gewöhnlich eine eher eingeschränkte Erinnerung, während die feindseligeren, kontrollierenden oder “Beschützer”- Identitäten vollständigere Erinnerungen aufweisen.

Eine Identität, die gerade keine Kontrolle ausübt, kann versuchen , durch die Produktion akustischer oder visueller Halluzinationen einen Zugang zum Bewusstsein zu erlangen (z. B.“ eine Stimme, die Anweisungen gibt“).

Die Übergänge zwischen den Identitäten werden häufig durch auftretende psychosoziale Belastungen ausgelöst. Der Wechsel von einer Identität zur anderen dauert gewöhnlich nur Sekunden. Seltener geht dieser Übergang graduell vonstatten.

Die Anzahl der berichteten Identitäten reicht von 2 bis mehr als 100 . Bei ca. 50 % der Fälle waren es 10 oder weniger Identitäten.

Es besteht eine Unfähigkeit, sich an wichtige persönliche Informationen zu erinnern, die zu umfassend ist, um durch gewöhnliche Vergesslichkeit erklärt zu werden. (hierzu weiter Informatinen unter „Dis – Konkret“

Die Dissoziative Identitätsstörung wird zusammen mit dem psychogenen Dämmerzustand, der psychogenen Verwirrtheit und dem Ganser-Sndrom unter ICD 10 F 44.8, den “sonstigen dissoziativen Störungen”, eingeordnet.

 

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.